Montag, 19. März 2007

halloundgrüßgottundservusundmoinmoin...

Eine weitere sprachliche Unsitte breitet sich rasant aus: der verdoppelte Begüßungs- bzw. Abschiedsgruß. Keine Fahrt mit der Deutschen Bahn ohne vom Zugchef mit einem deftigen "Tschüß und Aufwiedersehen" verabschiedet zu werden. Weshalb eigentlich "und"? Einmal reicht völlig. Und wenn schon beides, dann doch bitte so; Tschüß oder Aufwiedersehen. Der mit "Tschüß" verabschiedete kommt nicht unbedingt wieder, oder man will nicht, daß er wiederkommt, das aber so direkt auch wieder nicht äußern. Beim "Aufwiedersehen" hofft oder wünscht man, daß der so verabschiedete auch mal wiederkommt und man ihn dann auch sieht. Oder ist der Zugchef unsicher, wie er mit seinen Gästen umgehen soll? Eher locker oder doch besser förmlich? Dann sagt er "Tschüß" zu denen, die er eventuell auch duzen könnte. Die "Aufwiedersehen"-Kandidaten wären dann die eher gesetzten, seriösen Herrschaften, die man am besten noch mit einem Diener, rsp. einem Handkuß, begrüßt. Oder gilt "Tschüß" für die 2. Klasse und "Aufwiedersehen" für die 1.?
Heute morgen hat irgendein Werbefritze, der im Radio für irgendwas warb, die Hörer mit "Servus und Grüßgott" begrüßt. Das war nun besonders dämlich, weil nicht mal eine landsmannschaftliche Differenzierung unterstellt werden kann. Hier ging`s eindeutig um Süddeutschland. Die Landsleute an der See wurden glatt unterschlagen, dabei haben die ja die optimale Begrüßungsformel gefunden, gilt morgens und abends und nachts und ist auch schon verdoppelt: moinmoin! Vielleicht war das beworbene Produkt aber auch nichts für den Norden!

Donnerstag, 8. März 2007

Grönemeyer und kein Ende

Die Zeiten sind schlecht. Bald darf man in der Kneipe nicht mehr rauchen, in 13 Jahren geht die Welt unter, also macht es auch keinen Spaß mehr, mit dem Porsche Cayenne in der Gegend rumzubrettern. Und unseren kleinen Ausflug nach Thailand wollen sie uns jetzt auch noch madig machen. Zu allem Überfluß besteht auch noch die Möglichkeit, daß die Bayern am Ende wieder Meister sind.
Zum Glück ist Trost nicht weit. Ein Gang in den Medienmarkt Ihres Vertrauens und zur neuen Grönemeyer CD gegriffen, die überall stapelweise rumliegt, als gäbe es nichts anderes. Der Barde, der sich, völlig ironieresistent, für einen "brillianten Sänger" hält, wie er SPON in einem 6 (!) seitigen Interview bekannte (gab`s schonmal ein 6 seitiges Interview mit z.B. Sonic Youth auf SPON?), hat wieder zugeschlagen. Und alle sind beglückt. Die, die es nicht sind, können hier ein kleines Preisausschreiben zu den "Barden aus dem Pott" mitmachen. Es gibt auch was Hübsches zu gewinnen.

Dienstag, 6. Februar 2007

Merkel und der Klimaschutz

Der UNO Bericht zur Entwicklung des weltweiten Raumklimas hat die Menschen in Deutschland aufgewühlt. Es ist zweifelsfrei bewiesen, dass der Mensch die Hauptursache für die Veränderung des Raumklimas ist.
Die Bundeskanzlerin, Frau Dr. Angela Merkel hat der Zeitschrift „Die Schnelle“ ein Interview zum Thema gegeben, das hier in Auszügen wiedergegeben werden soll.

Die Kanzlerin zum Raumklima:
„Es ist 5 vor 12“

Die Schnelle: Frau Bundeskanzlerin, wir erleben einen der wärmsten Winter aller Zeiten. Die Menschen gehen auch im Winter raus, in die Restaurants, in die Kneipen. Sie bleiben nicht, wie sonst, zu hause, oder fahren in die Berge. Wie bedroht ist das Raumklima?

Angela Merkel: Die Situation ist in der Tat bedrohlich. Es gibt immer weniger Gletscher im Gebirge, die Stürme werden heftiger. Die Menschen halten sich also immer seltener im Freien auf, wo es weniger bedrohlich ist zu rauchen. Statt dessen gehen sie in geschützte Räume und rauchen dort.

Wie ernst ist die Lage?

Man kann es auch so sagen: Es ist fünf vor zwölf.

Was tun Sie persönlich in Ihrem Alltag für den Raumklimaschutz?

Wenn ich sage, es ist fünf vor zwölf, dann meine ich damit auch, dass ich jetzt meine letzte Zigarette für heute rauche. Nach zwölf ist Schluß! Auch ein Beitrag zum Klimaschutz. Ich spare Zigaretten wie viele Menschen – das fängt damit an, dass man Zigaretten nicht sinnlos im Aschenbecher verglühen lässt und geht bis zum vernünftigen Lüften. Aber das Wichtigste ist: Wir müssen den Kopf frei machen für neue Wege. Man kann Wirtschaftswachstum haben, ohne dass der Nikotinverbrauch in gleichem Maße zunimmt.

Was müssen die Deutschen tun, um einer drohenden Raumklimakatastrophe entgegenzutreten?

Die Deutschen können als Vorreiter neue Lösungen entwickeln und wir müssen den eigenen Teer- und Kondensatausstoß weiter senken. Es gibt viele konkrete Möglichkeiten: Mehr Altbauwohnungen müssen gut wärmeisoliert werden. Dann wird es nach dem Lüften schnell wieder kuschelig warm. Und die Zigaretten sollten wieder besser gestopft sein. Das würde den Prokopfverbrauch an Zigaretten doch spürbar senken. Und wir könnten auch etwas zurückhaltender rauchen, nicht immer ständig voll durchziehen. Auch mal eine auslassen. Das spart Zigaretten und verringert damit die Rauch-belastung. Das ist auch gut für das eigene Portemonnaie. Beim Zigarettenkauf sollte der Preis und der Schadstoffausstoß eine wichtige Rolle spielen. Übrigens kann man auch durch die häufigere Benutzung der öffentlichen Verkehrsmittel Raumklimaschutz betreiben. Dort darf man ja bekanntlich nicht rauchen. Erfreulich ist, dass in Deutschland das Bewusstsein dafür seit Jahren wächst.

Ihr Parteifreund, der Hamburger Bürgermeister Ole von Beust, will für Deutschland auch ein generelles Rauchverbot nicht ausschließen. Ist das mit Ihnen als Kanzlerin machbar?

Die Diskussion über ein generelles Rauchverbot sehe ich nicht. Viele öffentliche Gebäude haben Beschränkungen, sind mit Raucherräumen ausgestattet. Das dient dem Klimaschutz.

Die pauschale Abgassenkung für Tabakwaren, die die EU anstrebt, wollen Sie nicht. Schützt Deutschland seine Tabakindustrie zulasten des Raumklima- und Nichtraucherschutzes?

Nein. Ich bin für die weitere Absenkung des Schadstoffausstoßes auch bei Zigaretten und Zigarren. Aber man kann nicht alle Zigaretten und Zigarren über einen Kamm scheren. Leichte Zigaretten müssen andere Grenzwerte als starke Zigaretten haben. Oder gar Zigarren. Deshalb sind pauschale Abgasgrenzwerte falsch. Wir brauchen ehrgeizige, aber eben unterschiedliche Reduktionsziele für die verschiedenen Marktsegmente bei Zigaretten und Zigarren. Wer die großen Zigarren herstellt, der kann nicht den geringsten Schadstoffausstoß haben.

Frau Merkel, es gibt neue Studien zur Gefährdung der Gesundheit durch Handystrahlen. Bereitet das Ihnen Sorgen?

Wir werden dies sorgfältig prüfen. Viele Menschen sind angesichts solcher Meldungen besorgt. Allerdings haben bisherige Studien andere Ergebnisse geliefert.

Dienstag, 23. Januar 2007

Grönemeyer singt wieder

Jetzt geht`s wieder los mit dem morgendlichen Gerenne. Heute war`s so gegen Viertel vor Acht. Zehnmetersprint zur Anlage und den Ton weggedreht. Das letzte Wort, das sich noch in die Hörbarkeit retten konnte lautete „Namen“. Kein geringerer als SEIN Name ist es, um den es hier geht. „Hier“ heißt schlicht „Lied 1 – Stück vom Himmel“ (Lied 1, da steht zu befürchten, dass Lied 2,3,4,... folgen), die neue Single des nationalen Popheiligtums Herbert Grönemeyer, erscheint am 2. Februar, also bald – Geduld! Bis dahin dürfen wir gewiss sein, den Song täglich tausendfach auf allen möglichen Stationen um die Ohren gehauen zu bekommen. Wenn Grönemeyer singt, drehen die Sender die Regler hoch, auf dass ja jeder mitbekommt, das Uns Herbert wieder im Studio war, Deutschland zu beglücken. Da herrscht Konsens, öffentlich und privat!
Radio Eins ist ja glücklicherweise ein Sender, der seine Hörer meist verschont mit Grönemeyer, Naidoo & Co. Aber da können sie auch nicht abseits stehen und lassen sich gerne einspannen vor den Karren des Grönemeyer Managements. Also muß ich morgens wieder rennen, wenn das Geknödel erklingt, das HG singen nennt. Abends kann ich sitzen bleiben, denn dann sendet Radio Eins richtig gute Musik und da wird es Grönemeyer nicht hinschaffen.
Das Gute an Grönemeyers Knödelgesang ist, dass man den Text nicht versteht. Auf Welt.de vom 19.01.07 war der Text zu finden. Man fragt sich, was ihm widerfahren ist, eine derartig schwülstige Erweckungspoesie zu erdichten! Ist ihm der Leibhaftige erschienen oder hatte er eine Audienz bei Ratzinger? Man weiß gar nicht, was man zuerst zitieren soll aus diesem Textgeschwurbel. Vielleicht das hier:
........
Bibel ist nicht zum einigeln
Die Erde ist unsere Pflicht
Sie ist freundlich, freundlich
Wir eher nicht
.....
Das kann die Titanic nicht unkommentiert lassen. Ist doch ein gefundenes Fressen.
Oder das:
.....
Religionen sind zu schonen
Sie sind für die Moral gemacht
.....
Da freut sich der Ratzinger.

Schön auch das:
......
es gibt Milliarden Farben
und jede ist ein eigenes Rot
......
(„You can have it in any color as long as it's black.“ Henry Ford über das Model T)

Das alles – und noch viel mehr – müssen wir jetzt täglich mehrfach über uns ergehen lassen, wenn wir keine Lust auf den Sprint zum Lautstärkeregler haben. Und es wird noch schlimmer. Im Sommer, wenn die neue LP da ist, geht Gröni auf Tour und füllt wieder wochenlang die Stadien der Republik.
Dabei gibt es doch auch gute Musik, Sonic Youth zum Beispiel, oder ..... ja, es gibt schon verdammt viel gute Musik.

Freitag, 12. Januar 2007

Wolfgang Welt

Wolfgangs Welt

Eine großartige Romantrilogie: „Buddy Holly auf der Wilhelmshöhe“

Von Jürgen Lentes

Es mutet schon seltsam an, wenn ein Schriftsteller von zwei so unterschiedlichen Schreibern wie Peter Handke und Willi Winkler seine Credits bekommt. Der heilige Peter: „Dieser Autor ist einerseits ein großer Verehrer von Hermann Lenz... und andererseits ist er der größte Verehrer von Buddy Holly. Und aus diesen zwei Polen, Buddy Holly und Hermann Lenz, bestehen eigentlich alle seine Bücher.“ Griffiger ist da schon Willi Winkler, wenn er Wolfgang Welt als den „größten Erzähler des Ruhrgebiets“ anpreist. Nun, ab und an scheint es ja noch so etwas wie Gerechtigkeit im sich permanent beschleunigenden Literaturbetrieb zu geben, gar für lebende Autoren. 1986 erscheint das erste Buch Welts, „Peggy Sue“, im Konkret Literatur Verlag und wird zum Flop. 1977 erschien der Roman mit einem Vorwort von Leander Haußmann noch einmal als Heyne Taschenbuch. Der zweite Roman, „Der Tick“, 2001 ebenda. Dann war Funkstille. Nun sind beide Romane mit einem dritten, dem bisher unveröffentlichten „Der Tunnel am Ende des Lichts“, nebst einigen Prosastücken, als Taschenbuch bei Suhrkamp erschienen. Da wollte Wolfgang Welt schon in den frühen achtziger Jahren veröffentlichen. Wolfgang Welt heißt wirklich Wolfgang Welt und wird Silvester 1952 in Bochum geboren. Er wächst dort in kleinen Verhältnissen in der Zechensiedlung Wilhelmshöhe auf. Fußball ist wichtig. Buddy Holly wird auch wichtig und damit die Liebe zur Musik. Er studiert. Er bricht das Studium ab. Er rutscht in den Musikjournalismus hinein. Erst für ein wichtiges lokales Blatt der Ruhrpotts, das „Marabo“, dann kommen „Musik Express“ und „Sounds“ hinzu. Er erschreibt sich schnell einen Namen mit seinen radikalsubjektiven Texten. Aus einer Pressekonferenz mit Helen Schneider fliegt er raus, weil er die Chuzpe hat zu ihr sagen: „You killed six of my favourite songs“. Seine Heinz Rudolf Kunze-Hinrichtung ist legendär: Welt als kleiner Hunter S. Thompson, oder „der wichtigste Musikjournalist des Ruhrgebiets“. Er arbeitet manisch, immer unter Strom, immer unterwegs. Aber das Geld reicht vorne und hinten nicht zum Leben. Also zieht er wieder zurück zu seinen Eltern. Welts Texte erinnern an die eines Jörg Schröder. Welt schreibt eins zu eins, ohne geringste Rücksicht auf andere oder gar sich selbst zu nehmen. „Peggy Sue“ hat er an zwanzig Nachmittagen geschrieben, verteilt über sechs Wochen. Kunstvolle Romane wollte er sicher nicht verfassen, aber herausgekommen ist sie dann eben doch, eine „... ’authentische’ Kunst, um das inflationäre Wort einmal zu gebrauchen“ (Stefan Geyer). Auch wenn Welt zusehends „vom Hölzken auf Stöcksken“ kommt, geschwätzig wirkt seine Prosa nie. Ebenso schnell und direkt wie hier aus einem rastlosen Leben erzählt wird, genauso schnell und direkt wird man von diesem „Steam of Unconsciousness“, so Welt über seinen Schreibstil, gepackt. Diese Atemlosigkeit steigert sich unaufhörlich, denn diese Texte sind auch, neben aller Komik, eine bedrückende Reise in den Wahnsinn. Was würden Sie von sich denken, wenn Sie genau wüßten, was Sie vor zehn Jahren und drei Tagen so gemacht, wen Sie getroffen haben? Welt weiß es immer, auch ohne Notizbücher. Im zweiten Roman tauchen dann die ersten konkreten Symptome einer Erkrankung auf: Welt fühlt sich beobachtet und verfolgt. Als er sein Studium pro forma wieder aufnimmt, beginnt er Vorlesungen zu stören. Das steigert sich unaufhörlich. Welt vollzieht die heroische Tat der Zerlegung eines Tschibo-Ladens. Er verfolgt den ZEIT-Kritiker Benjamin Henrichs, bietet ihm eine Kroll-Oper für Stalin-Orgeln an und legt sich „...in das Bett, in dem sich Benjamin Henrichs immer einen runterholte, wenn er Bernhard Minetti im Schauspielhaus erlebt hatte.“ Er packt eine Ausgabe der WAZ in das Eisfach des Kühlschranks, damit er sie als gefrorene Waffe benützen kann. Soll er Altkanzler Helmut Schmidt das „Blaue Album“ der Beatles auf den Kopf hauen? Nahe genug dran ist er jedenfalls, „Brecht sein Leben“ als Buch hat er zur Sicherheit ja auch noch dabei. Lieber nicht. Dann hält er sich für J. R. Ewing, seine Mutter für Marilyn Monroe und seinen Vater für Herbert Wehner. Er wird in die Psychiatrie eingewiesen und als ungeheilt entlassen, Diagnose: Depression in Verbindung mit Schizophrenie. Das war 1983. Seitdem muß er Lithium nehmen. Seit den neunziger Jahren arbeitet Welt als Nachtportier am Bochumer Schauspielhaus. 2002 erhielt er ein Stipendium der Herrmann-Lenz-Stiftung und kürzlich ein Arbeitsstipendium des Landes NRW. Welt wird weiterschreiben. Und er macht sich ab und an zu Lesungen auf. Den Ruhrpott wird er Ende Januar verlassen, um am Abend des 25. Januar in der Frankfurter Gaststätte „Klabunt“ (das ist die mit der schönsten Wirtin, dem freundlichsten Wirt, der besten jungen Frankfurter Küche und den ausgefallensten Schnäpsen), auf der Bergerstraße 228, zu lesen. Spät, aber hoffentlich nicht zu spät startet Wolfgang Welt noch einmal durch. Gemächlicher. Viele Leser wünscht man ihm ohnehin. Aber bitte zu Lebzeiten.

Wolfgang Welt, Buddy Holly auf der Wilhelmshöhe, Drei Romane, Suhrkamp Taschenbuch 3776, 2006, 489 Seiten, 15 €

Donnerstag, 11. Januar 2007

Suhrkamp 3

Jetzt ist wieder Musike drin in der Suhrkamp Soap. Das Thema findet noch immer prominente Plätze in der seriösen Presse, aber auch in Bild (seitenfüllend!). Ab 1. Januar sind die beiden Hamburger Investoren offizielle Eigner der Medienholding AG Winterthur, die 29 Prozent an dem Frankfurter Verlag hält.
Der Tagesspiegel vom letzten Sonntag (07.01.07) hat ein besonders hübsches Exponat von Herrn Grossner (von Barlach, Conradi und Joachim Unseld hört man gar nichts mehr) vorzuweisen, eine Neujahrsglückwunschkarte, die in ihrer Anmutung an Welterklärungs-darstellungen der Zeugen Jehovas gemahnt, oder auch an Scientology (man sollte drauf achten, ob Herr Grossner am kommenden Samstag der Eröffnung der Berliner Repräsentanz der Sekte beiwohnt. Die Welt retten wollen ja beide! Und Kohle machen, klar!). Die Glückwunschkarte zeigt in der unteren Hälfte ein Kommandozentrum, nicht unähnlich dem eines Atomkraftwerks, schwarz-weiss-naiv. In der rechten oberen Hälfte sehen wir eine von der Sonne großzügig bestrahlte Villa. Unschwer zu erraten; Grossners Villa am Alsterstand . In der linken Ecke dann eine Weltkarte, Europa schwarz, der Rest weiß. Eine Fahne der Medienholding AG Winterthur steckt irgendwo knapp über Mexiko. Darunter dann die 3 Begriffe, mit denen Grossner so gerne um sich schmeißt: Wissen Weltethos Weltzukunft 99 (die Karte war wohl früher schon mal im Einsatz), weiter zu sehen: ein dämlich grinsender Delphin, der mit einer Weltkugel spielt sowie eine Heuschrecke (ich vermute, für eine Heuschrecke ist Herr Grossner zu dumm). Als begnadeter SMS Schreiber hat sich der Hamburger ja auch hervorgetan, wie dem Spiegel zu entnehmen war („..., hope2 c U 2m @ Kleist-Preis“).
Lassen wir Grossner und Co. sich ruhig weiter lächerlich machen, genug Gelegenheit haben sie noch. Die Gerichte haben das Wort und das kann dauern.
Es ist an der Zeit über das Suhrkamp Programm zu reden. Die Vorschauen sind da, schlicht und schön. Man war ja neugierig, aber, ich schwöre, kein einziges Buch über Hexen! Ehrlich! Statt dessen ein typisches Suhrkamp Programm, souverän und unvergleichbar. Bekannte Namen (Beck, Begley, Bernhard, Handke, Hesse, Kluge, Koeppen, Treichel) neben weniger oder gar gänzlich unbekannten. Dem oft wiederholten Vorwurf, Suhrkamp hätte keine neuen deutschen Autoren, tritt der Verlag in diesem Frühjahrsprogramm besonders eindringlich entgegen. Gleich vier (!) Autorinnen und Autoren finden mit ihren ersten oder zweiten Büchern Platz im Hauptprogramm des Verlages. Kevin Vennemann (29), Ariane Breidenstein (32), Paul Brodowsky (26), Thomas Melle (31) – man darf gespannt sein, wenn auch die Gefahr besteht, dass sich diese Autoren gegenseitig im Wege stehen. Einen Reader nebst CD zu diesen Autoren hat der Verlag produziert, sein Anliegen zu verdeutlichen. Das Vorwort zu diesem Reader verirrt sich allerdings etwas im sprachlichen Nirvana.
Letztendlich Marginalien, solche Ausrutscher. Das Programm machen sie nicht schlechter. Kein zweiter deutscher Verlag hat ein solches ausgeprägtes Osteuropaprogramm. Hier waren in der Vergangenheit oft die größten Entdeckungen zu machen. Erinnert sei an Juri Andruchowitsch oder Attila Bartis. Im Frühjahr freuen wir uns auf einen Roman des jungen Polen Wojciech Kuczok mit dem schönen Titel „Dreckskerl“. Oder auf einen Band mit Erzählungen und Fragmenten von Zygmunt Haupt in der schönsten Reihe, die es auf dem deutschen Buchmarkt gibt, der Bibliothek Suhrkamp.

Ist der Verlag Schuld an der ihm in letzter Zeit oft vorgeworfenen angeblichen Bedeutungslosigkeit. Kann ein Verlag Schuld sein an der zunehmenden Verdummung einer Gesellschaft. Kann ein Verlag verantwortlich sein für den Erfolg solcher Figuren wie BohlenDaddelNaddelWaddeletcpp....? Ist Suhrkamp Schuld an der grassierenden Utopiemüdigkeit? Mit dem Band „Und jetzt?“ versucht der Verlag nichts anderes als eine Bestandsaufnahme über Protest und Propaganda am Anfang des 21. Jahrhunderts. Und wo? In der edition suhrkamp, dieser schon oft totgesagten Reihe, die wie keine andere den Begriff der „Suhrkamp Kultur“ repräsentiert. Ebenfalls in der edition ein Band mit Arbeitsreportagen für die Endzeit, „Schicht!“ Die Liste der Beiträger liest sich wie ein Who is Who der zeitgenössischen deutschen Literatur; von Wilhelm Genazino über Thomas Kapielski und Oliver Maria Schmitt bis zu Juli Zeh, um nur einige zu nennen.
Dieses Programm zeugt von einem quicklebendigen, selbstbewussten Verlag, der weiß wo er herkommt und auch wo er hinwill.
Und Herr Grossner weiß das natürlich auch alles genau. Hope, not 2 c U @ SV!

Montag, 4. Dezember 2006

...

Suhrkamp 2

Die Daily Soap um den Suhrkamp Verlag hat sich in eine Weekly Soap verwandelt. Aus der Tagespresse ist das Thema weitgehend verschwunden, hat dafür Platz gefunden in Magazinen und Zeitschriften. So war im Börsenblatt des Deutschen Buchhandels (48-2006) ein zweiseitiges Portrait des Hamburger Investors Claus Grossner zu lesen. Und, mit Verlaub, nach der Lektüre lässt sich gut verstehen, daß der Verlag dessen Engagement mit rechtlichen Mittel zu verhindern sucht. Grossner firmiert unter „Großforschungs- und Informationsbureau“. (Diesen Begriff unterstreicht meine Rechtschreibprüfung, aber, ich kann ja nichts dafür, Grossner will es so). Diese „Bureau“ beschäftigt sich mit nichts Geringerem als WWW (nein, nicht was Sie jetzt denken). Diese drei „W“ stehen für „Wissen“, „Weltethos“ und „Weltzukunft“. Für diese hehren Ziele reicht ein einfaches „Büro“ sicher nicht aus (In Berlin betreibt Grossner übrigens ein „Office“, in der Meinekestraße. Das ist unweit von Suhrkamps Berliner Repräsentanz. Vielleicht trifft man sich ja mal zufällig auf der Straße). Diesen bescheidenen Ansprüchen ordnet Grossner sogar die eigene Bequemlichkeit unter – er verzichtet auf ein Bett, schläft wahrscheinlich im Sessel (soweit vorhanden) oder im Auto (vorhanden). Na gut, die sechs Stunden Schlaf, die er sich gönnt, kriegt man auch irgendwie rum. Die restlichen achtzehn Stunden widmet er sich, tomatensafttrinkend, seinen Zielen, „sehr schnell, sehr präzise“. Kein Zweifel, der Mann will die Welt retten. Diesem Ziel hat er sein Leben untergeordnet, und dieses Leben hat er in 200 (!) blauen Büchern dokumentiert. Ich freue mich schon auf die Gesamtausgabe im Suhrkamp Verlag.
Da Herr Grossner für die „Bunte“ nicht zu sprechen ist, hat sich dieses Magazin (49 – 2006), das sich normalerweise ja nur dafür interessiert, mit wem Boris Becker in die Besenkammer steigt, auf „Spurensuche“ begeben. Da Ulla Unseld-Berkéwicz ebenfalls nicht für die Bunte zu sprechen war, wurden andere gebeten, bei der Spurensuche zu helfen, was allerdings nicht sehr ergiebig ist. Joachim Unseld, der verstoßene Sohn Siegfried Unselds, Bodo Kirchhoff, ehemaliger Suhrkamp Autor und jetzt in der Frankfurter Verlagsanstalt bei Joachim Unseld unter Vertrag, der Theaterregisseur Jürgen Flimm, der einst mit Ulla Berkéwicz, als sie noch der Schauspielerei nachging, inszeniert hat. Ferner Martin Walser, ebenfalls ehemaliger Suhrkamp Autor, dessen, des Antisemitismus verdächtigter, Roman „Der Tod eines Kritikers“ einst ein mittleres Erdbeben bei Suhrkamp auslöste. Walser wundert sich, daß sich noch keine Suhrkamp Autoren in der Sache geäußert hätten. Nun, dies ist geschehen, vor Erscheinen der Bunte. Mehrere namhafte Autoren und Autorinnen haben sich mittlerweile auf die Seite der Suhrkamp Verlegerin (auch dieses Wort unterstreicht meine Rechtschreibprüfung. Sind Verlegerinnen im Deutschen nicht vorgesehen?)gestellt. Darunter Peter Sloterdijk, Peter Handke, Katharina Hacker, Christoph Hein, Adolf Muschg, Hans-Ulrich Treichel, Durs Grünbein, Michael Krüger, Ulrich Beck, Thomas Meineke u.v.a.m. Auch Marcel Reich-Ranicki wurde von der Bunten befragt und hat den einzig substanziellen Beitrag geliefert, der es verdient, zitiert zu werden. „Kein Wort. Ich äußere mich nicht zu diesem Fall. Sie müssen woanders suchen. Nur ein Idiot wird etwas sagen.“ Hat MRR da geahnt, wen er alles als Idiot bezeichnet? Steht uns ein neuer Literaturskandal ins Haus?
Zwei Dinge sind und bleiben rätselhaft. Was ist die Motivation von Grossner und Barlach? Und weshalb die aufgeregten Reaktionen von Seiten des Verlages?
Und den Herren aus Hamburg sei auch hier wieder ein anderes Betätigungsfeld anempfohlen. Es sieht so aus, als ob nicht nur der FC St.Pauli Hilfe gebrauchen könnte, sondern auch der HSV. Vielleicht ein neuer Torwart und ein bis zwei neue Stürmer. Allerdings ist mir nicht bekannt, ob`s beim HSV auch ein T-Shirt gibt. Aber sicherlich einen lebenslangen Platz in der VIP Lounge.

Freitag, 1. Dezember 2006

Rauchverbot

Jetzt ist es also beschlossen, das Rauchverbot u.a. für Restaurants. Nicht verboten ist es hingegen, mit einem dieser modernen Bürgerkriegsautos, auch SUV (ScheißUmweltVerpester) genannt, in ein solches rauchfreies Restaurant zu fahren.

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